Immer mehr Unternehmen bauen wieder Mitarbeiterwohnungen

Blick in eine frühere Werkswohnungssiedlung im Westen Frankfurts.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Jutta Ochs

Die Renaissance des Mitarbeiterwohnens wird gerade von verschiedenen Stellen ausgerufen. Das Berliner Institut RegioKontext ist dem mutmaßlichen Comeback mit einer vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs-und Immobilienunternehmen unterstützten Studie nachgegangen. RegioKontext-Geschäftsführer Arnt von Bodelschwingh hält rund 10.000 zusätzliche Mitarbeiterwohnungen pro Jahr für möglich.

Von der Deutschen Bahn über Industrieunternehmen wie BASF, Bosch, Audi und VW, die Stadtwerke in Köln und München bis zum Münchner Flughafen: Viele Unternehmen nutzen laut Studie mittlerweile wieder das Instrument des Mitarbeiterwohnens. Das Ziel: Vor allem in Ballungsräumen soll Mitarbeitern eine bezahlbare Wohnung geboten werden. Damit können neue angelockt sowie die bisherigen gehalten werden.

In Berlin schafft das Wohnungsunternehmen berlinovo Wohnungen für Polizeianwärter, die Fachgemeinschaft Bau plant bezahlbaren Wohnraum für Beschäftigte der Baubranche. Auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) wird in Zukunft verstärkt Wohnungen für Bundesbedienstete errichten und hat bundesweit 6.000 bis 8.000 in Planung. Die Strategien der Untenehmen reichen dabei von selbst bauen oder Kooperationen mit Entwicklern bis hin zu anmieten oder aber Belegungsrechte kaufen.

Viele alte Werkswohnungen wurden vor 20 Jahren verkauft

Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des GdW, nannte bei der Präsentation am heutigen Mittwoch in Berlin das Mitarbeiterwohnen einen wichtiger Baustein für das bezahlbare Wohnen in Deutschland. Auch der Mieterbund begrüßt "das zunehmende Engagement von unterschiedlichen Unternehmen für den Wohnungsneubau". Damit es noch mehr werden, ist der Studie ein Unternehmens-Leitfaden für den Mitarbeiterwohnungsbau angeschlossen. Man erfährt auch, dass es in den 1970er Jahren deutschlandweit mal 450.000 günstige Werkswohnungen gab. Viele davon sind um die Jahrtausendwende herum im Paket an Wohnungsgesellschaften verkauft worden. Eine ähnliche Entwicklung wie in den Kommunen. Eine belastbare Zahl, wie viele es aktuell noch gibt, existiert nicht.

Neues Gesetz bringt einen Schub

Den entscheidenden Schub für einen neuen Werkswohnungsboom gibt laut der Untersuchung wahrscheinlich ein neues Gesetz. Bisher galt: Bietet ein Unternehmen Mitarbeitern Wohnungen vergünstigt an, will der Gesetzgeber Steuern und Sozialabgaben auf den finanziellen Gewinn sehen. Nun ist aber per neuem Gesetz ein Freibetrag vorgesehen. Die Miete kann bis zu einem Drittel unter dem ortsüblichen Mietwert liegen, ohne dass das Finanzamt anklopft. Dabei muss der Arbeitgeber nicht selbst Eigentümer der Wohnung sein. Es ist ausreichend, wenn er diese gemietet hat oder wenn sie ihm aufgrund von Belegungsrechten zur Verfügung steht und dem Arbeitnehmer verbilligt überlassen wird.

Diese Regelung ist zu neu, als dass sie schon entscheidend hätte Einfluss nehmen können. Allerdings hat zum Teil wohl auch die Erwartung gewirkt und die Not der Mitarbeiter mit der hohen Miete in den Ballungsräumen. Ein Fazit der Studie: Wer heutzutage begehrte Mitarbeiter gewinnen will, der muss sich um deren Wohnraum kümmern.


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