Corona: Schließungswelle bei britischen Immobilienfonds

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus bringen in Großbritannien die dortigen offenen Immobilienfonds unter Druck. Mehrere Medien berichten von einer regelrechten Schließungswelle bei den offenen Kleinanlegerprodukten von Standard Life Aberdeen, Columbia Threadneedle, Legal & General, BMP, Aviva und Janus Henderson. Als Ursache nennen die Fondsmanager die Unmöglichkeit, viele der Fondsobjekte aktuell korrekt zu bewerten.

Die regulären Nutzer von Hotels, Einzelhandelsobjekten und auch von Büros bleiben inzwischen teilweise oder komplett zu Hause - das wurde von den Bewertern auf der Insel als ein außergewöhnliches Marktumfeld identifiziert, das es ihnen unmöglich mache, einen verlässlichen Wert festzustellen. In der Folge setzten die Manager die Anteilsrückgaben aus.

Der Geschäftsführer des britischen Immobilienfondsverbands (Aref) Paul Richards wird außerdem mit der Aussage zitiert, dass es auch aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit und der sinkenden Zahl von Immobilientransaktionen schwieriger geworden sei, Objekte zu bewerten. "Unter diesen Rahmenbedingungen müssen die Fonds die Anteilsrücknahmen aussetzen, um ihre meist langfristig orientierten Anleger zu schützen." Laut The Guardian sind inzwischen über 7 Mrd. GBP in den britischen offenen Fonds eingefroren.

Werden auch deutsche Immobilienfonds schließen?

Das wirft die Frage auf, ob sich auch die deutschen Anleger auf eine ähnliche Entwicklung vorbereiten müssen. Ausgeschlossen ist das nicht, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt. Im März 2011 hatte Union Investment entschieden, keine Anteilsscheine ihres offenen Fonds UniImmo Global mehr zurückzunehmen und begründete das mit dem Sachverständigenausschuss. Der habe dem Management mitgeteilt, "außergewöhnliche Umstände vor Ort" verhinderten aktuell eine Neubewertung der Immobilien in Tokio. 14% des Fondsvermögens befanden sich damals in Japan, wo es wenige Wochen zuvor in Fukushima zu einem schweren Reaktorunglück gekommen war. Wenn die Anteilswerte nicht mehr ordnungsgemäß zu ermitteln seien, könnten auch Anteilsscheingeschäfte nicht mehr ausgeführt werden, teilte damals das Unternehmen mit.

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