Lebensmittelhändler treiben Nachfrage nach Lagerflächen an

Handelsketten wie Rewe, Edeka und Aldi suchen händeringend Lagerflächen, um ihre Märkte versorgen zu können.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Volker Thies

Dem Handel gehen die Lagerflächen aus. Der Ausbruch des Coronavirus bringt das Logistiknetzwerk von Edeka, Rewe, Aldi & Co. an die Grenze. Logistikdienstleister und Entwickler von Logistikimmobilien helfen mit kurzfristigen Vermietungen aus.

"Bei den Maklerhäusern stehen die Telefone nicht mehr still", berichtet Kuno Neumeier, Logivest-Geschäftsführer und Sprecher des Themenkreises Logistikimmobilien. "Innerhalb von drei Tagen erreichten alleine uns Anfragen über insgesamt 1 Mio. qm Lagerfläche, fast alle aus dem Lebensmitteleinzelhandel und dem Medizinbereich." Zum Vergleich: 2019 wurden deutschlandweit insgesamt 4,2 Mio. qm neue Logistikflächen über alle Branchen hinweg entwickelt. Der Bedarf lag laut Experten aber bei mehr als 7 Mio. qm.

Obwohl Supermärkte und Discounter schon auf Weihnachtsmodus umgeschaltet haben, seien zeitweise stark nachgefragte Artikel ausverkauft. Den Flaschenhals bilden laut dem Themenkreis Logistikimmobilien der Bundesvereinigung Logistik (BVL) nicht nur Produktion, Personal und Ruhezeiten für Lkw-Fahrer, sondern vor allem der Mangel an Lagerflächen. "Bereits seit zwei Wochen sind Edeka, Rewe, Aldi & Co. auf Flächensuche", sagt Neumeier. "Wir registrieren vermehrt Anfragen von beispielsweise regionalen Heimlieferdiensten oder medizinisch und pharmazeutisch versorgenden Unternehmen für kurzfristig verfügbare Mietflächen", ergänzt Björn Sundermann, Bereichsleiter für Logistik- und Industrieimmobilien beim Maklerhaus Robert C. Spies.

Um die Situation zu entspannen, überlassen derzeit einige Logistikimmobilienentwickler neue Lagerflächen, die langfristig vermietet werden sollten, Handelsunternehmen für drei bis sechs Monate zur Miete. Auch Industrieunternehmen und Spediteure stellen der Retailbranche und den Handelslogistikern kurzfristig freie Flächen zur Verfügung.

Industrieunternehmen überlassen Handelsgruppen ihre Lagerflächen

Die Wirth-Gruppe und die Stadt Philippsburg entschieden beispielsweise spontan, dem Handelslogistikspezialisten Pfenning aus Heddesheim flexible Lagerkapazitäten auf dem Gelände eines neuen Gewerbeparks zur Verfügung zu stellen, weil der Dienstleister in seinem Logistikzentrum aus allen Nähten platzt. Das Landratsamt Karlsruhe erteilte für die Lagerung von Non-Food-Artikeln unbürokratisch eine Ausnahmegenehmigung. "Das ist ein gutes Beispiel, wie man Lieferketten unbürokratisch aufrechterhalten kann. Dem müssten aber viele andere folgen, damit sich die Lage entspannt", meint Neumeier.

Immobilienexperte Neumeier hofft, dass die Kommunen künftig eher bereit sind, mehr Flächen als bisher für Logistik in ihren Gewerbegebieten zur Verfügung zu stellen. Insbesondere rund um Metropolen herrscht seit Jahren ein Mangel an Logistikflächen. "Die Logistik ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, deren größte Treiber der Handel mit dem E-Commerce und die Automotive-Branche sind", sagt Neumeier. "Viele Logistikzentren entstehen nicht mehr auf der grünen Wiese, sondern auf Industriebrachen, die revitalisiert werden. In Regionen, wo Industriebrachen oder ehemalige Militäranlagen verkauft werden, entstehen auch Brownfield-Projekte. Aber ganz ohne Läger auf neuem Bauland geht es nicht."

Die Corona-Krise führe schon jetzt zu einem Umdenken von Verbrauchern sowie Industriebetrieben und folglich zu einer nachhaltigen Änderung des Marktes. "Eine Produktion im eigenen Land und die daraus resultierenden kurzen Lieferwege zeigen sich besonders jetzt als Vorteil", meint Sundermann. So werde der Bedarf an Logistik- und Produktionsimmobilien in Deutschland weiter steigen - sowohl in den zentralen innerstädtischen Lagen als auch in den Randlagen von Ballungszentren.

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