Michael Zahn hält Deutsche Wohnen auf Expansionskurs

CEO Michael Zahn gibt sich offensiv.
Quelle: imago images, Urheber: tagesspiegel

Auf der heutigen Bilanzvorlage der Deutschen Wohnen hatte CEO Michael Zahn einiges mehr mitzuteilen als sonst. Neben den (wie gewohnt positiven) Geschäftszahlen waren das die Übernahme des Bauträgers Isaria für 600 Mio. Euro sowie eine geplante Kürzung der Dividende zugunsten von Mietern, die von der Corona-Krise betroffen sind.

Bereits im Frühjahr 2019 waren die Verkaufspläne für das Münchner Wohnungsbauunternehmen Isaria in die Öffentlichkeit lanciert worden. Damals peilte der Mehrheitseigentümer Lone Star Berichten zufolge einen Verkauf im Volumen von ca. 500 Mio. Euro oder einen Börsengang an. Nun gibt es für Isaria 100 Mio. Euro mehr, an der Börse wird das Unternehmen nach dem Closing über ihre neue Muttergesellschaft Deutsche Wohnen notiert sein.

Übernomen werden 13 Isaria-Projekte im Wert von rund 2 Mrd. Euro, die Mannschaft mit rund 80 Angestellten und die Infrastruktur, nicht aber die komplette AG. Zusammen mit den rund 1 Mrd. Euro umfassenden Wohnbauvorhaben der Deutschen Wohnen vergrößert sich die Neubaupipeline des Konzerns für die kommenden zehn Jahre auf rund 3 Mrd. Euro, davon entfallen 1,5 Mrd. Euro auf den Raum Berlin und 1,2 Mrd. Euro auf München. Die Isaria-Vorhaben in Stuttgart (ca. 300 Mio. Euro) wird Zahn wohl weiterverkaufen, da Deutsche Wohnen hier nicht vertreten ist.

Weitere Übernahmen möglich

Weitere Übernahmen von Bauträgern schließt der CEO ausdrücklich nicht aus. „Das Finanzierungsumfeld für kleinere Unternehmen mit hohem Kapitalbedarf hat sich in den letzten Wochen verschlechtert. Das verschafft uns, abhängig von der weiteren Marktentwicklung, weitere Opportunitäten zu guten Einkaufspreisen.“

Wie Zahn weiter mitteilte, wird das Unternehmen den Dividendenvorschlag für das abgelaufene Jahr absenken. Obwohl die dafür maßgebliche Kennzahl FFO gegenüber dem Vorjahr um 10% zulegte (von 483 Mio. auf 538 Mio. Euro), wird der Dividendenvorschlag nur bei 90 Cent/Aktie liegen (+3%). Das gesparte Geld soll einen 30-Mio.-Euro-Hilfsfonds finanzieren, der von der Corona-Krise betroffenen Mietern, aber auch kleineren Dienstleistungs- und Handwerksunternehmen zu helfen. „Wer gehen davon aus, dass unsere Aktionäre unserem Vorschlag zustimmen und ein starkes Signal der Unterstützung senden“, so Zahn.

FFO wird stabil bleiben

Der Bewertungsgewinn, den der Deutsche-Wohnen-Konzern in seiner Jahresrechnung 2019 verbuchte, lag mit 1,4 Mrd. Euro unter der Vergleichszahl des Vorjahrs (2,17 Mrd. Euro). Aufgewertet wurde auch am Standort Berlin, für den vergangenes Jahr ein Mietendeckel beschlossen wurde. Laut Finanzvorstand Philip Grosse haben die Bewerter die künftigen Effekte aus dem Mietendeckel in ihren Modellen noch nicht berücksichtigt, dafür aber die weiter steigenden Wohnungskaufpreise in der Hauptstadt einbezogen.

Für das laufende Jahr rechnet Deutsche Wohnen mit einem FFO auf dem Niveau von 2019. Der Mietendeckel könnte zwar zu Einnahmeverlusten von 40 Mio. Euro führen, als „Einmaleffekt“ werde dieser aber aus der Kennzahl FFO herausgerechnet.

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