Immobiliennachwuchs sieht kulturelle Bremsklötze

Enrico Kürtös und Anna Hippler fordern mehr Mut, Dinge auszuprobieren.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Für die Stadtentwicklung wird die Digitalisierung ein zunehmend wichtiger Punkt, wie das Urban Leader Summit in Frankfurt zeigte. Doch während ein Bürgermeister und ein Architekt über die Zukunft der Smart City philosophierten, machte sich der Immobiliennachwuchs in einem Workshop Sorgen, dass die Riege der deutschen Entwickler und Asset-Manager den digitalen Anschluss verpassen könnte.

Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) guckte ziemlich erstaunt, als er sich mit der Frage des Moderators konfrontiert sah, ob für die Stadt der Zukunft die Digitalisierung eine Rolle spiele. Gerade hatte Mohrs auf dem Urban Leader Summit in Frankfurt über die Stadtentwicklungskooperation mit dem Autoriesen VW berichtet. "Wo bitte spielt die Digitalisierung denn heute keine Rolle?", wollte er wissen und es war offensichtlich, dass es sich dabei um eine rhetorische Frage handelte, denn Mohrs ergänzte: "Für autonomes Fahren brauchen wir 5G, und zwar überall in der Stadt, nicht nur da, wo es sich für die großen Netzbetreiber lohnt." Zustimmung bekam er vom Architekten Christian Veddeler, der sich aber vor allem um die notwendige Bürgerbeteiligung sorgte: "Wie viel Digitalisierung wir in der Stadt wollen, welche Daten gesammelt werden und wem sie gehören, all diese Spielregeln müssen verhandelt werden. Die Prozesse können sich dabei in den nächsten zehn Jahren mehrfach ändern. Das geht nicht mit einem Top-down-Masterplan."

Ob die an solchen Projekten beteiligten Entwickler und Asset-Manager für rasche Prozessänderungen überhaupt gewappnet sind, das bewegte den Young Leaders' Workshop. Nur eine Minderheit der Immobilienunternehmen fühle sich digital bereits ausreichend fit, erläuterte Susanne Hügel, Manager Digital Advisory bei CBRE, und verwies auf Studien ihres Hauses. Andere Berater kommen zu ähnlichen Ergebnissen (siehe "Digitale Zielerreichung bleibt mittelmäßig"). Neben Mängeln in der öffentlichen Digitalinfrastruktur sind viele Probleme dabei kultureller Natur. So beklagten die Diskutanten im Workshop, dass die Haltung deutscher Manager allzu oft von Übervorsichtigkeit geprägt sei.

Dass in den USA alles besser sei, wollte Enrico Kürtös aber auch nicht bestätigen. Der Chef des Visualisierungsproptechs Inreal Technologies hatte vergangenes Jahr ein Außenbüro in New York eröffnet. "Es stimmt, in den USA ist es leichter, einen Termin mit einem Entscheider zu bekommen. Aber dann passiert unter Umständen auch lange nichts." Anna Hippler, Director Digital Services bei JLL, riet dazu, auch bei digitalen Lösungen den Nutzen des Kunden klar im Blick zu haben, die Vorteile für die Mitarbeiter herauszuarbeiten und einfach mal Dinge auszuprobieren. "Von einer Kultur des positiven Scheiterns sind wir in Deutschland weit entfernt", sagte sie.

Zurück zur Startseite