Digitale Zielerreichung bleibt mittelmäßig

Das Schweizer Beratungsunternehmen pom+ fragt seit Jahren den Digitalisierungsstand der Immobilienbranche in seiner Heimat ab. Diesmal befragten die Researcher auch deutsche Unternehmen.

Die positive Nachricht vorweg: Auf einer Skala von eins bis zehn, basierend auf 37 abgefragten Digitalisierungskriterien, liegen deutsche Unternehmen im Schnitt bei 4,9. Die Schweizer schaffen dagegen nur 4,55. "Schweizer Unternehmen sind zurückhaltender, was Innovationen angeht", sagt Rebekka Ruppel, Deutschlandchefin des Beratungsunternehmens pom+, das die entsprechende Onlineumfrage durchgeführt hat. Doch so groß, dass sich die deutsche Immobilienbranche bequem zurücklehnen könnte, ist der Vorsprung nicht. Die Zielerreichung bei der digitalen Transformation bleibt auch in Deutschland mittelmäßig.

Immerhin 45% der befragten deutschen Immobilienunternehmen sagen inzwischen, sie hätten eine Digitalstrategie. Aber bei näherem Hinsehen bedeutet das für die meisten lediglich, den Markt nach interessanten Proptechs abzugrasen, deren Ideen sie sich nutzbar machen könnten. Nur 20% der Befragten sagen, dass sie den Kunden ins Zentrum ihrer digitalen Aktivitäten nehmen, und digitale Geschäftsmodelle haben gerade mal 11% aktiv in der Umsetzung. Es bleibt also viel zu tun. Das gilt umso mehr, als sich vor allem Vertreter großer Unternehmen an der Umfrage beteiligt haben: 40% der Teilnehmer stammen aus Unternehmen mit mindestens 250 Vollzeitkräften, ein Viertel beschäftigt sogar mehr als 1.000 Mitarbeiter.

Der große Hype, der noch vor kurzem um Mieterportale gemacht wurde, scheint erst mal verebbt. Die Präsenz der Mieter an solchen Internetauftritten bleibt bisher sehr punktuell. Das schafft nur wenig Möglichkeiten, um dort zusätzliche Dienstleistungen zu vermarkten. Der neue Hype heißt nun digitales Ökosystem. Das bedeutet, dass zahlreiche bisher separat laufende IT-Anwendungen, sowohl interne als auch die der angeschlossenen Dienstleister, ihre Daten miteinander reibungslos austauschen. Immerhin 49% der Befragten sehen darin einen wichtigen Impulsgeber für das rasche Umstellen der Geschäftsprozesse auf digitale Methoden. Doch für die konkrete Umsetzung gibt es noch keine Standards, wie unlängst die Universität St. Gallen feststellte, und bisher ist nicht absehbar, welche IT-Systeme sich dabei langfristig durchsetzen werden.

Schon weit verbreitet sind Aktivitäten rund um das Internet der Dinge (IoT). "IoT ist mittlerweile eine Basistechnologie fürs Gebäudemanagement", erklärt Ruppel. Rund 50% der Befragten befinden sich in einem Aufbauprozess hinsichtlich Sensorik und Aktorik, also dem digitalen Messen und Regeln. Das hat laut Ruppel damit zu tun, dass Property- und Facility-Manager den Margendruck stärker spüren als andere Immobilienunternehmen und daher bereit sind, mehr in Digitaltechnik zu investieren. Zukunftsmusik bleibt dagegen die Analyse großer, unstrukturierter Datenmengen (Big Data), weniger als 4% der Befragten haben sie im Einsatz. Am größten ist die Diskrepanz zwischen Einsatz und vermutetem Potenzial jedoch beim Modethema Blockchain: 75% der Umfrageteilnehmer beobachten die Entwicklung dieser Technologie, doch aktiv nutzt es bisher keiner von ihnen.

Insgesamt haben sich 175, überwiegend größere, deutsche Unternehmen an der Umfrage beteiligt. Aus der Schweiz kamen deutlich mehr, nämlich 280. Den deutschen Teilnehmerkreis will pom+ für die nächste Auflage der Umfrage ausbauen.

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