"Wir haben bereits vieles wieder wettgemacht"

Thomas Birtel, Vorstandsvorsitzender des Strabag-Konzerns, unterstreicht die Bedeutung der Dienstleistungstochter Strabag PFS.
Quelle: Strabag SE

Trotz des Verlusts des Großauftrags der Deutschen Telekom will Strabag Property and Facility Services schnell wieder an bessere Zeiten anknüpfen. Die Immobilien Zeitung sprach mit Thomas Birtel, dem Vorstandsvorsitzenden des Strabag-Konzerns, darüber, wie das gelingen soll.

Immobilien Zeitung: Herr Birtel, wie wichtig ist Strabag Property & Facility Services (PFS) für den Strabag-Konzern?

Thomas Birtel: Die Dienstleistungen von Strabag PFS zählen nach wie vor zum absoluten Kerngeschäft. 2018 trug das Unternehmen 1,12 Mrd. Euro zur Konzernleistung bei. Es ermöglicht uns , die komplette Wertschöpfungskette der Bauwirtschaft von der Planung bis zur Bewirtschaftung von Immobilien abzudecken. Das kann kein anderer Baukonzern in Europa.

IZ: Nun hat Strabag PFS aber zum 1. Juli seinen Großauftrag bei der Deutschen Telekom verloren. Wie wirkt sich das auf das Geschäft aus?

Birtel: Im laufenden Jahr kommt Strabag PFS voraussichtlich auf eine Leistung von knapp 850 Mio. Euro. 2020 wird sich der Auftragsverlust dann deutlicher niederschlagen. Das Unternehmen wird aber weiterhin zu den zehn umsatzstärksten Immobiliendienstleistern in Deutschland gehören. Mittelfristig werden wir die Leistungsdelle ausgleichen und schätzungsweise in drei Jahren wieder an die Spitze anknüpfen. Wir haben bereits vieles wieder wettgemacht.

IZ: Inwiefern?

Birtel: Strabag PFS hat 2018 z.B. die Ausschreibung für FM- und PM-Leistungen für alle Standorte der HypoVereinsbank (HVB) in Deutschland gewonnen. Das war mit rund 500 Objekten bzw. mehr als 1 Mio. m² Bruttogrundfläche das bundesweit größte ausgeschriebene Immobilienportfolio des vergangenen Jahres. Dazu kamen Aufträge von Commerz Real für die Neue Direktion Köln und die Münchner HighLight Towers.

IZ: Welche Rolle spielt anorganisches Wachstum für das Wiedererstarken von Strabag PFS?

Birtel: Wir haben zuletzt mehrere Akquisitionen im Ausland getätigt. Dabei handelt es sich um die Unternehmen Caverion Polska, Porreal Polska und Porreal Ceska. In Polen stieg Strabag PFS dadurch in die Riege der führenden fünf Facility-Manager auf. In Deutschland haben wir die Property-Management-Sparte von Corpus Sireo übernommen.

IZ: Mit dem Telekom-Auftrag haben Sie viele Mitarbeiter an ISS abgegeben. Sie wollen aber bald wieder zurück in die Spitzengruppe der größten FM-Dienstleister hierzulande kommen und benötigen dazu wieder zusätzliches Personal. Wie kommen sie mit der Mitarbeitergewinnung voran?

Birtel: Dabei helfen uns die gewonnenen Großaufträge. Teils übernehmen wir dabei Mitarbeiter von Kunden, die Abteilungen auslagern, teils von den zuvor verantwortlichen Dienstleistern. Durch das HVB-Mandat konnten z.B. etwa 500 Mitarbeiter neu akquiriert werden, darunter viele hochqualifizierte Servicetechniker. Wer attraktive Mandate vorweisen kann, hat insgesamt deutlich bessere Chancen, auf dem herausfordernden Arbeitsmarkt Mitarbeiter zu finden.

IZ: Hat sich Strabag PFS strukturell neu aufgestellt?

Birtel: Ja, wir haben unsere Prozesse verschlankt und optimiert. Unter anderem wurde die Kundenbetreuung zentralisiert. Künftig werden die Kunden ab der Vertragsunterzeichnung von einer von vier Direktionen betreut: Key Accounts Deutschland, Fläche Deutschland, International oder Real Estate Management. Außerdem wird Anfang kommenden Jahres unsere IT auf Microsoft Dynamics umgestellt. Damit werden Auftragssteuerung, Disposition, Ticketing und Rechnungsstellung über ein nutzerfreundliches System abgebildet, das bei ersten Kunden bereits erfolgreich im Einsatz ist und nun sukzessive ausgerollt wird. Dadurch können wir insbesondere die Nachfrage nach integrierten Dienstleistungen sowie dem baubegleitenden Facility-Management besser bedienen.

IZ: Wie praxisrelevant ist das baubegleitende Facility-Management denn inzwischen für Strabag PFS?

Birtel: Wir haben mittlerweile viele praktische Erfahrungen damit bei eigenen Projekten wie z.B. den Tanzenden Türmen in Hamburg gesammelt. Ansonsten ist es vor allem bei Selbstnutzern von Immobilien gefragt, die ein hohes Interesse daran haben, dass später die Betriebskosten nicht aus dem Ruder laufen. Insbesondere bei Smart Buildings mit innovativer Gebäudetechnik ist es für die Kunden von Vorteil, wenn unsere Dienstleistungssparte von Anfang an in Projekte eingebunden ist.

IZ: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Lars Wiederhold.

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