Proptechs ermöglichen den schnellen Draht zum Handwerker

Das Handwerk digitalisiert sich, Proptechs können dabei helfen.
Quelle: Imago Images, Urheber: Westend61

Sie heißen Doozer, Myster oder Propster und digitalisieren die Prozesse rund um Renovierung und Ausbau. Bessere Abläufe senken nicht nur Zeit- und Kostenaufwand, sondern sorgen dafür, dass leichter der passende Handwerker zur Verfügung steht.

Die meisten Handwerker bieten ihre Leistung immer noch an wie in den 70er Jahren, weiß Myster-Chef Mirco Grübel. In einer fragmentierten Branche führt das während einer Boomphase dann durchaus zu vollen Auftragsbüchern, nicht jedoch zwangsläufig zur zufriedenstellenden Abwicklung des Auftrags.

Einerseits ist der Handwerker selten ein Meister der Rechnungstellung, was zu Verzögerungen bei der Zahlung führen kann. Andererseits hat er meistens nicht die Liquidität, um verspätete Zahlungseingänge zu überbrücken. Um sich gegen mögliche Zahlungsausfälle zu wappnen, neigt mancher dazu, lieber einen Auftrag mehr anzunehmen, dann aber keinen rechtzeitig fertig zu bekommen. Das wiederum frustriert die Auftraggeber.

Transparenz hilft allen Marktteilnehmern

Doch es geht auch anders. Myster bietet auf seiner Plattform nicht nur den passenden Handwerker, sondern auch gleich das nötige Material dazu. Dadurch, dass der Auftraggeber seine Daten im System hinterlegt, ist es zum einen für den Handwerker einfacher, eine korrekte Rechnung zu stellen, zumal die komplette Kalkulation von Myster übernommen wird. Zum anderen erhält er vom Auftraggeber am Ende eine Bewertung, die bei positivem Einschlag weitere Aufträge nach sich zieht. Durch diese Transparenz gewinnen beide Seiten.

Der Prozess funktioniert, betont Grübel. Er lohne sich gerade für Wohnungsgesellschaften, die durch eine natürliche Mieterfluktuation einen stetigen Renovierungsbedarf haben. Ein ähnliches Konzept wie Myster verfolgt das Berliner Proptech Doozer, allerdings ohne die Einbindung der Materialhersteller.

Neben der Renovierung lassen sich aber auch Leistungen digitalisieren, wie sie beim individualisierten Ausbau von Neubauten entstehen. Diese Prozesse zu optimieren hat sich das österreichische Proptech Propster auf die Fahnen geschrieben, das bis vor kurzem unter dem Namen Sonderwunschmeister aktiv war.

Propster digitalisiert allerdings nur den Planungs- und Beauftragungsprozess und strukturiert die sich daraus ergebende Kommunikation zwischen Bauträger und Endkunde. Die Koordination der Handwerker überlässt Propster-Gründer Milan Zahradnik dagegen lieber den Spezialisten. Dazu gebe es schon Kontakte, sowohl mit Doozer als auch mit Myster, erklärt er.

Eine dritte Variante, mit der Handwerksleistungen optimiert werden, bieten Unternehmen wie Oqio und SchadenFux24. Sie managen die Abarbeitung von Versicherungsschäden im Immobilienbereich und verhindern ein endloses E-Mail-Ping-Pong zwischen Hausverwaltung, Handwerker und Versicherung, wie Oqio-Chef Dirk Jakob erläutert. "Gerade bei Immobilienbeständen mit mehreren Hundert oder Tausend Wohneinheiten ist es unabdingbar, einen tagesaktuellen Überblick über die Schadenregulierung zu behalten", sagt er.

Einer aktuellen Studie der IFH Köln zufolge nutzen nur 2% der deutschen Handwerker bisher Vermittlungsplattformen. Das Potenzial für die Proptechs im Bereich Handwerkerdienstleistungen ist also gegeben. Und wie sieht es mit der Verfügbarkeit der Handwerker aus? Myster-Chef Grübel kann sich nicht beklagen, er bekommt von den bestehenden Handwerkern im Netzwerk laufend neue Kollegen empfohlen, die das Konzept ebenfalls einmal ausprobieren wollen. Zudem coacht das Unternehmen Handwerker beim Weg in die Selbständigkeit und sorgt damit für Nachwuchs. Der Handwerkskammer Dortmund bescherte das schon einige neue Mitglieder.

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