10.000 Bewohner für den Stadtteil Franklin

Im Vordergrund das Wohnhaus Balance mit seinen bunten Balkonen, im Hintergrund das geplante O-förmige Hochhaus von RVI.
Quelle: RVI

Mannheim. Mehr als eine Handvoll gewerbliche Investoren bauen Wohn- und Gewerbeeinheiten im neuen Stadtteil Franklin. Gerade startete auch der Saarbrücker Immobilienentwickler RVI mit der Vermarktung seiner New Franklin City.

Dreifache Bewohnerzahl zum Jahresende

Ein nachhaltiges Stadtquartier mit einer zukunftsfähigen Infrastruktur entsteht unter der Ägide der Mannheimer Entwicklungsgesellschaft MWSP auf der insgesamt 144 ha großen Fläche des ehemaligen US-amerikanischen Militärgeländes Benjamin Franklin Village. Bereits seit 2014 laufen die Arbeiten, um dem neuen Stadtteil ein zukunftsfähiges und urbanes Gesicht zu geben. Dabei verfolgt die MWSP ein Mobilitäts- und Energiekonzept, bei dem Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Vordergrund stehen. Gewerbliche wie private Investoren sorgen für ein rasantes Wachstum: Bis Ende des Jahres soll sich die Bewohnerzahl von derzeit etwa 1.200 Menschen mehr als verdreifacht haben.

Mit zu diesem Wachstum trägt das Wohngebäude namens Balance bei, das erste von insgesamt fünf RVI-Projekten, die unter dem Projektnamen New Franklin City (NFC) vermarktet werden. Auf einem fast 4.800 m2 großen Grundstück in der Thomas-Jefferson-Straße entstehen bis 2023 einhundert Wohnungen. Das von RVI-Architekten geplante Gebäude setzt sich aus zwei ineinander verschränkten L-förmigen Baukörpern mit fünf Vollgeschossen bzw. vier Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss zusammen.

Die Staffelung soll ebenso wie die Balkone in den Farben Rot, Blau und Gelb für eine Gliederung der Fassade sorgen. Nach außen hin erhalten die Gebäude eine Holzfassade, die im Laufe der Jahre nachdunkeln wird. Dagegen werden die Gebäudewände zum Innenhof in Weiß gehalten und durch Kletterpflanzen begrünt. Im Innenhof sind neben Spielstationen auch Flächen für urbanen Gartenbau vorgesehen.

Das Angebot reicht von der Einzimmerwohnung mit 36 m2 bis zur Vierzimmerwohnung mit 101 m2. Zu Wohnungen bis 70 m2 gehören Einbauküchen. Im Sinne des Mobilitätskonzepts wird es für die 100 Wohnungen aber nur 80 Stellplätze in der Tiefgarage geben, dafür aber zweihundert Fahrradstellplätze. Dank Fotovoltaik auf den Dächern wird im Rahmen eines Mieterstrommodells der vor Ort gewonnene Strom zuerst für den Energiebedarf der Bewohner verwendet. RVI startete diesen Monat mit der Vermarktung an private Kapitalanleger, die Kaufpreise zwischen 4.400 Euro/m2 und 5.500 Euro/m2 einplanen müssen.

Bis 2027 sollen zu Balance weitere vier Wohn- und Gewerbeprojekte von RVI hinzukommen. Insgesamt sind auf einer Grundstücksfläche von über 21.260 m2 rund 500 Wohnungen und 5.000 m2 Gewerbefläche vorgesehen. Dazu gehören zwei Gebäude, die maßgeblich die Skyline des Stadtteils prägen werden: In der Form der Buchstaben O und M entstehen nach den Plänen des Architekturbüros MVRDV zwei 15-stöckige Hochhäuser. Für die beiden anderen Hochhäuser in E- und H-Form sorgt die Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft GBG, ebenfalls mit international renommierten Architekturbüros wie AS+P Albert Speer + Partner und haas cook zemmrich/Studio 2050. Alle vier Hochpunkte zusammen formen architektonisch das Wort Home.

Ende November hatte der Mannheimer Gemeinderat den Bebauungsplan für den Teilbereich des Wiesbadener Investors Traumhaus zusammen mit Architekt Winy Maas auf Funari beschlossen, der im Rahmen eines Investorenauswahlverfahrens mit seinem Planungsbüro MVRDV als Sieger hervorging.

Dort soll laut MWSP eine "bunte Reihenhausbebauung" realisiert werden, eine Art modernes Dorf mit 124 Reihenhäusern, zentralen Quartiersplätzen und gemeinschaftlichen Grünflächen. Dafür stehen 2,7 ha auf zwei Baufeldern im Süden von Franklin an der neuen Robert-Funari-Straße zur Verfügung. Der Einstiegspreis liegt laut Traumhaus bei rund 350.000 Euro.

Insgesamt gibt es für das Quartier Franklin vier vorhabenbezogene Bebauungspläne: Offizierssiedlung, Sullivan, Funari und Funari Traumhaus. Noch ausstehend sind Franklin-Mitte und Columbus. Am weitesten fortgeschritten ist die Entwicklung in Franklin-Mitte. Dort wurden bereits Ende 2017 die Mehrfamilienhäuser von Evohaus bezogen. In der Offizierssiedlung hat Investor Sahle Bestandsgebäude an private Eigentümer verkauft und durch den Bau von weiteren Reihen- und Doppelhäusern die Siedlung nachverdichtet. Ein Teil ist bereits bezogen, weitere Fertigstellungen folgen dieses Jahr.

Gewerbliche und private Investoren sind aktiv

Im Teilbereich Sullivan hatte die MWSP nach einem Bieterverfahren 64 Grundstücke großteils an Privatpersonen verkauft, die ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen wollten. Teils sind auch dort die Neubewohner bereits eingezogen. Investor Ten Brinke will dieses Jahr ebenfalls mit dem Bau von Eigentums- und Mietwohnungen beginnen. Das Columbus-Quartier an der B 38 ist als "grünes Gewerbegebiet" vorgesehen. Bauhaus will sich dort ebenso wie das Möbelhaus Segmüller niederlassen, mit weiteren Interessenten ist die MWSP im Gespräch. Nach dem Abriss der früheren Soldatenunterkünfte bis Mitte 2021 kann die Neubebauung starten.

Laut MWSP sind auf dem Franklin-Gelände 4.400 Wohneinheiten geplant, 60% davon zum Kauf, 40% zur Miete. Die Mietwohnungen sollen zu fast zwei Drittel für unter 7,50 Euro/m2 vermietet werden. Insgesamt entsteht ein Stadtteil für rund 10.000 Menschen.

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