"Hotelbranche ist gerüstet"

René Schappner ist Head of Hotel beim Maklerhaus Colliers International. Er sieht den deutschen Hotelmarkt für die Zukunft gut aufgestellt.

Immobilien Zeitung: Herr Schappner, warum sollten nationale wie internationale Anleger ausgerechnet in deutsche Hotels investieren?
René Schappner.
Quelle: Colliers International

René Schappner: Die Rahmendaten des deutschen Hotelmarkts entwickeln sich weiterhin positiv. Das Statistische Bundesamt registrierte für 2019 fast 500 Mio. Übernachtungen in Deutschland, damit konnte zum zehnten Mal in Folge ein neues Rekordjahr verzeichnet werden. Trotz des im gleichen Zuge stark ausgeweiteten Bettenangebots ging dies bislang noch nicht auf Kosten der Auslastung. Der deutsche Hotelmarkt bietet somit ein überaus attraktives Umfeld für langfristig stabile Investments. So sind insbesondere die durchschnittlichen Zimmerpreise in Deutschland im europäischen Vergleich nach wie vor relativ niedrig und bieten daher trotz der zu erwartenden Angebotszuwächse eine positive Perspektive.

IZ: Aber es ist doch nicht alles rosarot im Hotelgeschäft, oder?

Schappner: In den vergangenen Jahren verzeichneten wir deutlich höhere Transaktionsvolumina als in den Jahren zuvor. Das hat zu einem Mangel an Immobilien geführt, die für institutionelle Investoren geeignet wären. Trotz einer Vielzahl neuer Hotelentwicklungen hat sich diese Situation nicht entspannt. Es herrscht also weiterhin ein Produktmangel an investmentfähigen Hotelobjekten, vor allem an Businesshotels in den sieben Hotelmetropolen und im Portfoliobereich.

IZ: Und das treibt die Preise und drückt die Renditen?

Schappner: Vor allem in den sieben großen Metropolen konnten wir einen starken Anstieg der Preise für Bestandsimmobilien wie für Projektentwicklungen feststellen. Die Sorge vor Überkapazitäten an einigen Standorten führt jedoch zu einer Abschwächung der Entwicklungspipeline. Die Bruttospitzenrenditen für Hotels in Deutschland reichten Ende 2019 von 3,7% in München bis 4,4% in Berlin. Auf der Suche nach mehr Rendite haben einige Investoren bereits begonnen, auch grenzübergreifend in Benelux, Spanien und Osteuropa zu investieren.

IZ: Stichwort Überkapazitäten: Wo wird aktuell zu viel Hotel entwickelt?

Schappner: Die größte Bau- und Planungstätigkeit nach Zahl an Hotelprojekten beobachten wir aktuell in Hamburg, Frankfurt, Berlin und München. Aber auch kleinere Hotelmärkte wie Düsseldorf und Stuttgart erleben enorme Zimmerzuwächse. Diese expansive Angebotsausweitung wird sich auf Auslastung und Erträge niederschlagen. Entsprechend wurden in beiden zuletzt genannten Städten schon Renditeanstiege beobachtet.

IZ: Welche Hotelkonzepte sind bei den Anlegern gefragt?

Schappner: Generell werden Hotels mit drei und vier Sternen das Gros der Transaktionen ausmachen. Zugleich erwarten wir ein steigendes Interesse an Longstay-Konzepten sowie Markenhäusern.

IZ: Was sind die Trends auf dem globalen Tourismusmarkt? Und wie robust ist der deutsche Markt im Vergleich zum internationalen Wettbewerb?

Schappner: Der globale Tourismusmarkt wächst stetig. Weltweiter Tourismus ist relativ krisenresistent. Sicherlich beeinträchtigen Terrorereignisse oder Epidemien die Gesamtentwicklung, allerdings nur in kleinerem Ausmaß. Wir erwarten auch in den kommenden Jahren weiter steigende Gästezahlen. Deutschland ist hier aufgrund einer Vielzahl kultureller und historischer Attraktionen sehr gut aufgestellt und wird eine Vielzahl internationaler Reisender anziehen.

IZ: 2019 wurden knapp 5 Mrd. Euro in Hotels investiert und ein Rekord nur knapp verfehlt. Wagen Sie eine Prognose: Wird es 2020 eine neue Bestmarke beim Transaktionsvolumen geben?

Schappner: Nein, dazu ist nicht genug Produkt am Markt. Das Segment Hotel wird aber von der weiterhin hohen Dynamik des Gesamtmarkts profitieren. Wir halten daher für das laufende Jahr ein Ergebnis in Höhe des fünfjährigen Durchschnitts von 4,2 Mrd. Euro für realistisch.

IZ: Herr Schappner, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Peter Dietz.

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