"An BIM führt kein Weg vorbei"

Das regionale Hauptquartier von TÜV Süd in Singapur wird mit BIM entwickelt.
Quelle: TÜV Süd PSB Singapore Pte. Ltd.

Für Robert Oettl, Geschäftsführer von TÜV Süd Advimo, steht der praktische Nutzen von Building Information Modeling (BIM) außer Frage: "An BIM führt kein Weg vorbei." Einige große BIM-Pilotprojekte stehen bereits in den Startlöchern. Doch die Immobilienbranche tut sich insgesamt immer noch schwer mit der Einführung.

Die Immobilienwirtschaft ist noch zurückhaltend

Die Vorteile von BIM liegen für Oettl auf der Hand: "Weniger Nachträge, verkürzte Projektzeiten, geringere Betriebskosten." Zudem könnten Gebäudeeigentümer damit besser ihrer Betreiberverantwortung nachkommen und ihre Nachhaltigkeitsziele erfüllen. Doch bislang sei die Immobilienbranche beim Thema noch zurückhaltend. Gefragter sei BIM dagegen bei Eigennutzern und der öffentlichen Hand, die ihren Gebäudebestand langfristig halten. "Wer im späteren Betrieb einen Nutzen daraus zieht, ist jetzt schon dabei." Ein Beispiel dafür sei der Siemens Campus in Erlangen.

Bei der öffentlichen Hand sind ebenfalls bald einige "Leuchttürme" zu erwarten. In Deutschland habe es seit dem Erscheinen des BIM-Stufenplans für Infrastruktur über fünf Jahre gedauert, bis das Handlungsfeld BIM im Hochbau politisch erschlossen wurde, weiß Oettl. "Nun allerdings kommt BIM mit Macht." Allein im Rahmen der Hochbaupläne des Bundes würden in diesem Jahr über 20 BIM-Pilotprojekte gestartet. "Zudem werden aktuell öffentliche Großbauvorhaben mittels BIM umgesetzt, wie Krankenhäuser, Labore und Universitätsgelände", ergänzt Oettl.

Den Nutzen von BIM erprobt TÜV Süd am eigenen Leibe: beim Bau seines regionalen Hauptquartiers IBP 15 in Singapur. Dort wurde der reale Bau mittels 3D-Laserscans und Drohnen mit dem vorab per BIM erstellten digitalen Gebäudezwilling abgeglichen. So konnten frühzeitig falsch ausgeführte Arbeiten oder drohende technische Kollisionen aufgedeckt werden. Zudem sorgte dort eine detaillierte energetische Simulation im Vorfeld dafür, dass technische Anlagen nicht unnötig groß aufgezogen werden müssen.

Allerdings wendet sich Oettl gegen einen inflationären Einsatz des Wortes BIM aus Imagegründen. Oft würde darunter schon der Versuch verstanden, Modellierungssoftware einzusetzen oder unzählige 2D-Pläne gegen ein 3D-Modell zu ersetzen. BIM sei stattdessen ein gänzlich neuer disruptiver Prozess, bei dem nicht jeder Gewerksplaner bei einem Projekt mit einem eigenen Plan arbeite, sondern alle Projektbeteiligten gemeinsam am selben Plan arbeiteten.

Auch das Argument, dass sich der Mehrwert von BIM gegenüber einem gepflegten System für Computer Aided Facility-Management (CAFM) in Grenzen hält, lässt Oettl nicht gelten (siehe dazu auch "Für BIM fehlt oft die Reife", IZ 40/19). Bei BIM werde ein einheitliches Modell über den Lebenszyklus der Immobilie beibehalten und lasse sich deshalb dynamisch pflegen. Der digitale Zwilling eines Gebäudes sei "die eine Wahrheit". Deshalb komme es mit BIM zu keinem Datenverlust durch die üblichen Schnittstellenproblematiken.

Ein CAFM-System sei nur gut gepflegt, wenn die Stammdaten zu Gebäudeflächen und technischer Ausrüstung aktuell und vollständig sind. Letzteres könne auf Dauer aber nur mit BIM gewährleistet werden. Durch die Kombination von BIM und CAFM würden die Stammdaten übertragen, um dann mit den Prozessdaten darauf aufzusetzen. "Für mich ist BIM in diesem Zusammenhang Teil des CAFM-Systems, nicht aber der CAFM-Software", erklärt Oettl.

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